?> Die alte weisse Frau und der Winter – Die alte weisse Frau
12. Januar 2026

Die alte weisse Frau und der Winter

Ich erinnere mich sehr lebhaft an einen Wintermorgen in meiner Schulzeit, als ich mich auf dem Weg zum Bus schon in der hauseigenen Einfahrt mit Schwung auf den Allerwertesten setzte, denn es war spiegelglatt. Meine Mutter war der irrigen Meinung, ein Paar Wollsocken über den Schuhen würden Wunder wirken, aber die machten es nur noch schlimmer. Vorsichtig tasteten wir uns, während wir uns unter lautem Gekreische aneinander festklammerten, zur Bushaltestelle und schlitterten dort herum, bis klar wurde: Der Bus kommt nicht. Dann rutschten wir wieder zurück und freuten uns mit roten Wangen, funkelnden Augen und blauen Flecken auf einen schulfreien Tag. Diese Ereignisse sind in meiner Erinnerung noch sehr lebendig und ich bedauere tatsächlich die armen heutigen Schulkinder, die sich in fünfzig Jahren ganz sicher nicht daran erinnern werden, wie aufregend es war, als an einem Montag im Januar 2026 wegen Glatteis homeschooling angeordnet wurde. Und dann wird noch beklagt, dass die Kinder zu viel drinnen hocken und ihre Körperbeherrschung zu wünschen übrig lässt. Tja, von nichts kommt eben nichts. Und wer glaubt, er müsse seine Kinder schon vor den Widrigkeiten eines rutschigen Schulwegs bewahren, der darf sich nicht wundern, was das Ergebnis ist: Unbewegliche, ängstliche Menschen, die ihren gesunden Menschenverstand leider schon in ganz jungen Jahren beim NRW Schulministerium abgeben mussten. Dabei kommen die wirklichen Herausforderungen doch noch. Wohl dem, dem schon früh zugetraut wird, wenigstens kleine zu meistern. Ein rutschiger Schulweg gehört eindeutig dazu.

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