Eine Stadtführung dient ja in der Regel dazu, auf bequemem Weg eine unbekannte Örtlichkeit mit ihren wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Anlässlich einer sehr unterhaltsamen Führung in Sevilla lasse ich in Gedanken die Reihe der von mir im Laufe der Zeit absolvierten geführten Städterundgänge Revue passieren und stelle zu meinem eigenen großen Erstaunen fest, daß ich die weitaus größte Anzahl nicht in fernen Regionen, sondern in Köln, also quasi unmittelbar vor der eigenen Haustür, unternommen habe. Als da waren: Allein vier musikalische Stadtführungen mit einem geschichtlich äußerst beschlagenen Lehrer, der an den Haltepunkten seine Gitarre zückte und alte kölsche Lieder zu Gehör brachte, wobei je nach Bekanntheitsgrad desselben der eine oder andere Passant spontan mit einstimmte, eine Krippenführung, dann eine Geisterführung, zu der Richmodis herself aus dem Grab kroch und im weißen Gewand vor uns her wandelte, eine kabarettistische Stadtführung, eine über Melaten, dem großen Friedhof, auf dem die Nonne vom “Klosterfrau Melissengeist“ friedlich neben Dirk Bach ruht, eine zu den Fundamenten des Doms, eine mit dem Bus, das Thema ist mir nicht erinnerlich, den Brauhauswanderweg natürlich und diverse Kinderführungen, bei denen der Löwenkampf im Rathaus stets auf großes Interesse der kleinen Zuhörer stieß. Inzwischen kann ich auch selbst durch die Stadt führen und mache es hoffentlich besser als die Frau bei der langweiligsten Stadtführung, an der ich je teilgenommen habe. Sie führte durch Düsseldorf. Kann ich jetzt auch nicht dafür.