?> Die alte weisse Frau und der Feminismus – Die alte weisse Frau
3. März 2026

Die alte weisse Frau und der Feminismus

Zu meiner sehr großen Schande – und es fällt mir verdammt schwer, das zuzugeben – bin ich gar nicht sonderlich feministisch. Sich in die Lebensgestaltung anderer Frauen einzumischen fällt mir im Traume nicht ein und wie Paare die Aufgabenverteilung in ihrer Familie organisieren, geht mich überhaupt nichts an. Und doch…wenn man sich so umschaut im Bekanntenkreis, dann zerreißt es mir zuweilen das Herz. Da gibt es diese Frau, intelligent, gebildet, vielseitig interessiert, eloquent, freundlich, die sich einst entschieden hat, ihr Leben der Aufzucht ihrer Kinder und dem, wie nennt man es so schön, „Rücken frei halten“ ihres missmutigen, unsympathischen, übergewichtigen Mannes zu widmen, der jedoch einen Haufen Geld nach Hause bringt. Was manche Paare aneinander finden ist ein anderes Thema. Und jetzt? Die Kinder sind aus dem Haus, Enkelkinder sind noch nicht vorhanden und eine wie auch immer geartete Berufsausübung ist in unerreichbare Ferne gerückt, zudem auch ob der mehr als komfortablen finanziellen Lage vollkommen überflüssig. Traurig sieht man als Außenstehende den Bemühungen zu, auf der Zielgeraden des Lebens demselben einen neuen Sinn zu geben. Ein Projekt ist, neben der Anschaffung von Hunden, tatsächlich, einen angestrebten Gewichtsverlust des Gatten zu managen, mittels hochkreativer Mahlzeiten und eines akribischen Essensplans, der die Managerin dazu verpflichtet, zweimal täglich in der Küche zu stehen und zu kochen, den morgendlichen Porridge nicht eingerechnet. In der Freizeit, Klischees aller Länder, vereinigt euch, wird getöpfert. Ist das nicht furchtbar? Oder doch wahnsinnig clever? Den Mann zu Karrierezwecken in die weite Welt hinaus zu schicken und sich daheim als Familien CEO zu gerieren und sich selbst dafür abzufeiern? Ich bin ratlos. Denn glücklich? Also glücklich wirkt sie nicht.

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