?> Die alte weisse Frau und die Frauenromane – Die alte weisse Frau
24. Februar 2026

Die alte weisse Frau und die Frauenromane

Also gesetzt den Fall, ich sei ein schwuler Mann, ich täte mich bedanken. Oder höllisch aufregen. Aber vielleicht sind sich die meisten der Betroffenen der folgenden Tatsache einfach nur nicht bewusst. Es ist nämlich so, dass in mindestens jedem zweiten, vermeintlich lustigen, vermeintlich gelungenen Frauenroman die Figur eines besten Freundes der Protagonistin vorkommt und der ist in der Regel homosexuell. Dargestellt wird er wie folgt: Eher klein, eher übergewichtig, sehr exaltiert, sein Gegenüber nennt er stets „Schätzchen“, in Bekleidungsfragen neigt er zur schrillen Seite, er ist entweder in einer Beziehung mit einem sehr viel besser aussehenden Mann, dann kommt es zu wilden Gefühlsausbrüchen, weil er in stetiger Furcht lebt, verlassen zu werden, oder aber er taumelt von jäher Verliebtheit zu ungeheurem Herzeleid, er hat ein eher schlichtes Gemüt, aber ein goldenes Herz, hadert zuweilen unter Tränenausbrüchen mit seinem Äußeren oder findet sich einfach wunderwunderschön, wenn es ganz dicke kommt, hat er zudem noch einen Migrationshintergrund, dann wird es ganz doll lustig. Man könnte auch sagen: Ein gutmütiger, harmloser Volldepp mit einem Hang zu ausschweifender Gestik, Mimik und Rhetorik. Aber eines ist die Figur, trotz aller wenig originellen Bemühungen der Autorinnen leider nicht: Lustig. Auch nicht, wenn das Ganze zu allem Elend auch noch verfilmt wird. Von realitätsnah will ich erst gar nicht anfangen, aber das sind die bescheuerten Heldinnen ja auch nicht.

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