?> Die alte weisse Frau und die Meinungsäußerung – Die alte weisse Frau
17. März 2026

Die alte weisse Frau und die Meinungsäußerung

Während einer langweiligen Autofahrt geriet ich in eine Radiodiskussion mit Hörerbeteiligung zu einem äußerst kontroversen Thema. Eine Hörerin gab mit fester Stimme ihr wohlvorbereitetes Statement ab, Punkt eins, zwei, drei wurden zu einer nicht widerlegbaren Argumentation dergestalt zusammengefügt, dass die Angelegenheit ein für alle Mal geklärt, erledigt und beschlossen schien, jedenfalls in den Augen der Wortführerin. Dann aber wurde eine Expertin gehört, und siehe da, Punkt eins, zwei und drei waren allesamt falsch. Nichtwissen, vorgefertigte Überzeugungen und mangelnder Sachverstand hatten sich zu einer unerquicklichen Melange zusammengetan, von der am Ende rein gar nichts übrig blieb. Außer einem gar nicht mal so kleinlauten – wie es angebracht gewesen wäre – sondern eher pampigen „Aber trotzdem“. „Aber trotzdem“ strich mir übrigens schon vor vielen Jahren meine Deutschlehrerin rot an. Wie die besagte Expertin die Ruhe bewahrte! Großartig. Nicht, dass ich glaube, sie habe die Meinung der Hörerin geändert, nein, solche Menschen verheddern sich ja oft dermaßen in ihrer selbst zusammen gestrickten Argumentation, dass sie sogar zuweilen zu der festen Erkenntnis kommen, die in der Schweiz lebende Alice Schwarzer und die sich um sie herum scharenden Schmierlappen würden irgendetwas Gutes für Deutschland bewirken. Da steht man auf verlorenem Posten. Aber dem einen oder anderen Radiohörer wird wieder klar geworden sein, dass die Dinge, die in den eigenen Augen so einfach scheinen, es oft nicht sind. Und das ist doch schon mal was Gutes. Ich jedenfalls weiß wieder, dass ich nicht allzu viel weiß und deshalb vielleicht gelegentlich den Mund halten sollte. Aber trotzdem kann ich es einfach nicht lassen.

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