Ist das schön, wenn man nicht mehr erziehen muss! Die eigenen Kinder nicht, weil sie zu fabelhaften Erwachsenen geworden sind, und die Enkel nicht, weil man als Großeltern dafür nicht zuständig ist. Stattdessen kann man tiefenentspannt anderen Menschen beim Erziehen zuschauen. Der Mutter, die ununterbrochen auf ihren Dreijährigen einredet, der gar nicht anders kann als einfach nicht mehr zuzuhören und die verbale Reizüberflutung verarbeitet, indem er sich theatralisch auf dem Boden wirft. Dem Vater, der mittels kluger Argumente ein gesundes Frühstück durchsetzen will und bei Milchreis mit reichlich Zimt und Zucker landet. Den Erwachsenen, die jede Aktion auf dem Klettergerüst oder der Tellerrutsche mit Argusaugen strengstens überwachen. Demjenigen, der auf ein nörgeliges „Wo bleibt mein Kakao?“ staubtrocken „Und wo bleibt deine Contenance?“ erwidert, was ich persönlich sehr amüsant fand. Denen, die ihren Kindern am liebsten auf der Rutsche einen Helm überstülpen würden und denen, die ihre Kleinen auf einem Laufrad mit einem Affenzahn meilenweit voraus fahren lassen, anscheinend ohne sich im Geringsten zu sorgen, während mir fast das Herz stehen bleibt. Denen, deren Brut stets wie aus dem Ei gepellt daher kommt und denen, die ihren Kinder in Bekleidungsfragen völlig freie Hand lassen und die dann entsprechend merkwürdig gewandet daherkommen. Groß werden sie übrigens alle, so oder so. Und wer nicht schon als Arschlochkind geboren wurde, aus dem wird auch was. Egal, wie die Eltern herum erziehen.