Mit zunehmendem Alter rücken ja Dinge und Sachverhalte in den Fokus, die man früher so gar nicht auf dem Schirm hatte. Neuestes Beispiel aus meiner privaten Kollektion: Die Sache mit den Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum. Zwar bin ich glücklicherweise noch sehr gut zu Fuß, aber nichtsdestotrotz habe ich nach einem ausgedehnten Stadtrundgang oder einer Wanderung das Bedürfnis, mich irgendwo bequem hinzusetzen. Möglichst mit Rückenlehne. Früher, in unbeschwerteren Zeiten kehrte ich zu diesem Zwecke in einer möglichst hübschen Lokalität ein, bestellte einen Kaffee, ein Glas Wein oder eine Kleinigkeit zu essen und alles war wunderbar. Heute ist das leider anders: Der Kaffee drückt später gewaltig auf die Blase, dem Alkohol habe ich weitgehend und vor allem am hellerlichten Tag abgeschworen, weil der Tag dann schnell beendet ist und essen kann ich auch nicht mehr so viel, wie ich möchte. Wasser, und sei es auch mit Sprudel, ist etwas trostlos und auch eine gepflegte Apfelschorle…nun ja. Es braucht also Bänke oder, wie in Paris, bequeme Stühle im öffentlichen Raum, auf denen man in Ruhe sitzen kann. Man kann darüber nachsinnen, warum von zehn vorbei eilenden Passanten acht zu dick sind, jungen Familien und alten Paaren zulächeln, sich wundern, was junge Menschen zuweilen anziehen oder sich davon inspirieren lassen, hingebungsvoll detailreiche Fassaden inspizieren, in Frankreich interessiert Petanquespielern zuschauen, ohne auch nur die geringste Ahnung von den Spielregeln zu haben, den Blick in die Natur genießen, in Spanien Flamencotänzerinnen bewundern oder aber: „Einfach nur so sitzen“. Ich möchte einfach nur so sitzen. Loriot hatte wie immer recht.