Meine ich das nur, oder werden Dienstleister immer frecher? Zuweilen wird man dermaßen angegangen, dass es einem die Sprache verschlägt. Schnippische Sprechstundenhilfen und schlecht gelaunte Kellner, die einen dazu noch ungefragt duzen, ist man ja schon gewohnt, aber den Ton so mancher E-Mail mag man fast nicht glauben. „Ich kann mir vorstellen, dass Sie nun den Drang verspüren, weitere E-Mails in der Sache zu versenden, ich verweise jedoch darauf, dass die Beschlusslage eindeutig ist und man Fakten nicht diskutieren kann.“ Schreibt jemand mir, den ich für seine Tätigkeit bezahle. Oder, wie es mein resoluter Vater salopper formulierte, diesen rotzfrechen Bengel halte ich am Kacken. Da ist es doch eine richtige Wohltat, wenn die Krankenkasse anruft und mir schonend sehr freundlich beibringt, dass ich, getrieben von heftigstem inneren Widerstand gegen diese Tätigkeit, offensichtlich ein Formular falsch ausgefüllt habe und das auch noch zu meinem Nachteil. Auch mit meiner zuständigen Sachbearbeiterin beim Finanzamt führe ich Gespräche auf Augenhöhe und in freundlichem Ton. Aber von einem Bademeister, einem Automechaniker – gehen Sie mal als ältere Frau in eine BMW Werkstatt! – oder meinem Hausverwalter soll ich mich blöd anmachen lassen? Da verspüre ich einen Drang! Aber gewiss nicht dazu, mich mit irgendeinem Deppen auf einen fruchtlosen E-Mail Verkehr einzulassen. Und wer von uns in der Sache Recht hat, ist mir vollkommen gleichgültig. Der Ton macht die Musik. Zieh dich warm an, mein Freund! Dich bekomme ich ans arbeiten. Nachtragend bin ich nämlich auch noch.