?> Die alte weisse Frau und die guten Ratschläge – Die alte weisse Frau
30. Juni 2026

Die alte weisse Frau und die guten Ratschläge

Gute Ratschläge sind etwas Feines! Es gibt Menschen, die haben eine ganze Reihe davon auf Lager. Blöd nur, dass sie sie häufig erst erteilen, wenn das Kind nicht nur in den Brunnen gefallen ist, sondern schon eine Weile grummelig auf dem Grund hockt. Beispiel: Die mittelalte, etwas unbewegliche Frau (also ich) stapft mit hochrotem Kopf, aber unverdrossen und mit großem Enthusiasmus einen steilen Wanderweg bergan und ein umgestürzter Baum versperrt die Route. Schwungvoll wirft sie die zum Zwecke der Knieschonung mitgeführten Wanderstöcke hinüber und sich selbst auf den Baumstamm. Um dann nicht vor noch zurück zu kommen. Was aber macht der vorausgeeilte Wanderkamerad, weit entfernt davon, Hilfe zu leisten? Er ruft: „Warum gehst du denn nicht einfach rechts vorbei?“ Ja, vielen Dank auch. Wenn die Kette vom Rad abspringt: „Auf so einem steilen Anstieg darf man auch nicht schalten, das macht man vorher.“ Aha. Weiß ich doch. Warum auch hat man, bevor man sich die schwere Erkrankung zulegte, keine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen? Warum hat man nicht gesehen, dass man mit diesem einen unbedachten Klick ein Abo abgeschlossen hat? Oder ein Trinkgeld in ungeheuerlicher Höhe gegeben hat? Warum hat man kein zweites Angebot für die Autoreparatur eingeholt und fühlt sich jetzt schwer über den Tisch gezogen? Ganz klar: Weil die tollen Ratschläge erst im Nachhinein gegeben werden. Warum bloß, fragt man sich. Und welchen Nutzen haben sie noch? Außer, den Adressaten auf die Palme zu bringen.

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