Wohin der gute alte Händedruck entschwunden ist, weiß auch kein Mensch. Stattdessen wird sich allüberall im Freundes- und Bekanntenkreis umarmt, dass es nur so kracht. Meine Lieben schließe ich natürlich immer gerne gerührt in meine Arme, aber Hans-Peter, mit dem ich dreimal im Jahr wandern gehe? Johanna, die ich unregelmäßig auf ein Glas Wein treffe? Und die noch dazu ein merkwürdiges Parfum benutzt? Was ist der Sinn von in die Luft geschmatzten Küssen? Und wie viele sollen es sein? Gerade glaubt man erleichtert, die Zeremonie hinter sich zu haben, da schickt sich der Partner zu einer weiteren Runde an. In Frankreich, wo das „faire la bise“ zur kulturellen Identität dazugehört, widmet man sich der Angelegenheit so ausgiebig, dass man bei Festlichkeiten nach der Begrüßungsrunde eigentlich unverzüglich mit der Verabschiedungsrunde beginnen könnte, so lange dauert es, sich von Gast zu Gast zu küssen. Zudem gibt es eine Fülle von noch dazu regional unterschiedlichen Regeln: wer wen wie oft und mit welcher Seite man beginnt..es ist kompliziert. Und wenn der geneigte Gast aus fernen Landen nun genau wissen möchte, wann welche Regel gilt, dann heißt es: „Ça dépend.“ Das hängt also davon ab. Wovon, kann einem niemand erklären und man bleibt, wie so oft im Leben, ratlos zurück. Ein Händedruck wäre einfacher.