Vor zwei Jahren schrieb ich einen Text über einen maroden Fußgängersteg, der einen kleinen Fluß überquert und dessen Erneuerung erforderlich war. Zu diesem Zwecke wurde er zunächst auf martialische Weise abgesperrt, dann nach mehreren Monaten abgerissen (warum nicht gleich, weiß niemand, vielleicht ein Beschäftigungsprogramm für nicht ausgelastete städtische Angestellte?). Da waren schon drei Jahre ins Land gegangen. Heute kann ich vermelden: Es ist soweit! In fünf Jahren hat es die bundesdeutsche Bürokratie fertig gebracht, einen Steg zu erneuern! Was für eine Leistung! Natürlich ist es jetzt kein einfacher Steg mehr, nein, elegant schwingt sich ein sicher sauteurer, imposanter, dreimal so breiter Holzbau über das plätschernde Gewässer. Warum, fragt sich der ratlose Bürger, der einfach nur ans jenseitige Ufer möchte? Fußgänger, Radfahrer und erziehende Personen mit Zwillingskinderwagen können sich mühelos begegnen, ein zwar vollkommen unrealistisches Szenario, aber, hey! Und das man sich unmittelbar vor und hinter der Brücke wieder auf schmalen Wegen miteinander arrangieren muss und merkwürdigerweise auch kann? Egal. Wenn wir schon mal dran sind…und man muss auch einsehen, daß keiner, der sich um den Steg „verdient“ gemacht habenden Menschen Lust hat, einen schlichten schmalen Metallsteg oder ein unspektakuläres Holzbrückchen feierlich zu eröffnen. Da macht der jetzt realisierte Neubau doch viel mehr her! Mit stolz geschwellter Brust wirft man sich in Positur und erwartet Lob. Es ist unfassbar. Aber wenigstens, und auch darauf ist man recht stolz, hat man ordentlich Fördermittel abgegriffen. Na, dann ist es ja gut. Und das die designorientierte Gestaltung es unmöglich macht, sinnend von der Brücke ins Wasser hinunter zu schauen – geschenkt. Kinder sehen schon gleich gar nichts und können auch keine Steinchen hinunterwerfen. Aber das ist offensichtlich auf der Flüsschenüberquerungsautobahn nicht erwünscht. Wer denkt sich so etwas aus? Und ist auch noch stolz darauf?
